Sonntag, 1. April 2007
Das Flattergespenst in der Gartenlaube
und andere Geschichten mit Pittiplatsch, Schnatterinchen und Moppi im Yamba-Sparabo - alles was du tun musst, ist auf "Kommentare" klicken...

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Ätsch, ausgetrickst !
Yamba-Sparabos gibts hier nicht, auch keinen Pittiplatsch.. wollte nur ein bisschen Aufmerksamkeit erheischen, war mir nämlich nicht ganz sicher, ob überhaupt jemand nachschaut hier. Die bisherige Australienberichterstattung ist - ebenso wie die vielen Kartengrüße - ja nicht gerade auf sonderliche Resonanz gestoßen, von Außnahmen abgesehen. Ja ja, ich weiß, keine Zeit, viel zu tun, bla bla bla. Faule Säcke seid ihr! Über ein paar Kommentare (mehr) hätte sich Ulli, die sich die Schreibesmüh hauptsächlich gemacht hat, jedenfalls gefreut; die Kritik ist insofern auch in ihrem Namen. So, det musste ma raus. Da wir allerdings nicht nachtragend sind und euch trotzdem mögen, gibts hier noch mal einen letzten Beitrag von uns zu Australien. Den letzten deshalb, weil wir nämlich dann mal wieder da sind, wie Hape sagen würde. Die geliebte Heimat hat uns wohlbehalten wieder, und zwar gemeinsam. Ulli hat mich also nicht zurückgelassen, obwohl sie da unten ein paar Mal damit gedroht hat... Det war aber nur Spaß gewesen, wir sind noch genauso dicke wie vor der Reise. Bevor ich dazu was schreibe, muss ich zur "geliebten Heimat" noch schnell was los werden... Gleich das erste, was ich nach der Rückkehr in diese geliebte Heimat hörte, machte mir bewusst, wo ich wieder bin: zurück im bekloppten Berlin nämlich. Warum? Wolf Biermann ist zum 115. Ehrenbürger Berlins ernannt worden. Schlechter Scherz, dachte ich. War aber keiner. Die ham tatsächlich diesen selbstgefälligen Nölheini, der seine schwindende Bedeutung einfach nicht verwinden kann, zum Ehrenbürger gemacht!? Naja, wahrscheinlich muss man noch froh sein, dass nicht Murat Kurnaz auserkoren wurde. Aber dass der nicht noch kommt, ist bei diesem Senat nicht mal auszuschließen. Wenigstens habe ich endlich meine geliebte deutsche Tastatur wieder. Mit ß ä ö und ü daher jetzt wirklich zu Australien...

Ullis letzter Stand war ja, dass wir auf eine Tour ins Outback zu Uluru alias Ayers Rock usw. wollen. Die fand tatsächlich statt, allerdings will ich dazu jetzt nicht detailliert berichten. Das habe ich während der Reise nicht zustande gebracht und kriegs wahrscheinlich auch jetzt nicht hin, geht mit Fotos auch besser. Außerdem will ich auch mehr ein Fazit der gesamten Reise ziehen, als Einzelerlebnisse zu berichten. Deshalb nur so viel: war prima. Bin echt froh, dass wir den kleinen "Abstecher" ins Landesinnere gemacht haben (ursprünglich wollten wir "nur" die Ostküste hoch und dann nach Darwin). Das Outback ist schon ne unwirkliche Landschaft mit seiner Schroffheit, Monotonie und Gottverlassenheit. Meiner Meinung nach interessanter als die grüne Küste, aber das ist Geschmackssache. Jedenfalls gut, dass wir da warn, danach gings nämlich nach Darwin.. und, wat soll ick sagen? Es schüttete vier Tage lang wie aus Eimern, mit kurzen Unterbrechungen. Eigentlich wollten wir uns ja den Kakadu-Park anschauen, wegen des Regens aber waren große Teile gesperrt. Also ließen wirs bleiben, zumal wir Regenwald, Canyons und Wasserfälle auch anderswo schon zur Genüge gesehen hatten. Stattdessen versuchten wir hauptsächlich für den Rückflug Kraft zu tanken, im Klartext: wir machten nüscht, sondern faulenzten. Ehrlich gesagt, war Darwin auch deshalb unser letztes Reiseziel, um den Rückflug so kurz wie möglich zu machen, die Stadt liegt schließlich der Heimat am nahsten. Aber keine Sorge, die 18 Stunden Flug bis Berlin plus Transfer und Warten waren dann aber immer noch genug! Über Afghanistan habe ich auch nicht mehr daran geglaubt, dass wir überleben würden. Gerade mal 300 Meter entfernt raste ein entgegen kommendes Flugzeug an uns vorbei und am Horizont waren durch die stockfinstere Nacht mehrmals grelle, diffuse Lichterscheinungen am Horizont auszumachen, eher Explosionen als Gewitter. Außer mir beunruhigte das aber niemanden, waren vermutlich auch keine Explosionen, und naja... wir haben überlebt. Trotzdem, man erspart sich solche Langstreckenflüge besser, ist echt kein Vergnügen! Der einzige Unterschied zwischen dem stundenlangen Transport in so einem fliegenden Sarg und einem Viehtransport ist für mich der, dass das Vieh im Anschluss zur Schlachtbank geht... Zur besonderen Aufmunterung durften wir in Tegel übrigens feststellen, dass unser Gepäck nicht dabei war. Das kam erst mit dem nächsten Flieger.

Übrigens war es nicht sonderlich dispektierlich von uns, Darwin als "Abflugbasis" zu missbrauchen. Die Stadt hat wirklich ja nüscht an Sehenswürdigkeiten zu bieten. Zur Ehrenrettung sei gesagt, dass erst die Japsen '42, dann Wirbelsturm "Tracy" '74 alles zerstört haben. (Weil einem das ständig erzählt wurde, habe ich allerdings den Verdacht, dass es auch vorher nicht viel zu sehen gab!) Ansonsten gibts zu Darwin zu sagen, dass man uns im Hostel "Malaleuca" das Essen aus dem Kühlschrank geklaut hat. Wie sich herausstellte, hatte das Personal das Zeug einfach weggeworfen. Klaro, dass Ulli und ich sofort die Koffer packten und uns das vorausbezahlte Geld für die restlichen Übernachtungen erstatten ließen. Da man leider zu einer Entschuldigung oder gar Wiedergutmachung für den Diebstahl nicht bereit war, musste in der folgenden Nacht das Räubernest selbstredend niedergebrannt werden... jedenfalls in meinen Träumen. Unsere Ausweich-Herberge war wieder ein Hostel und - eine richtige Assi-Höhle! Die "Gäste", einer sah aus wie Robinson Crusoe, allerdings mit Brustwarzenringen - igitt!!!, haben den Ureinwohnern echt Konkurrenz gemacht, was Gestank und Alkoholkonsum betrifft. Aber über die "Abos" will ich hier lieber nichts schreiben, wirklich armselige Kreaturen... Zum Glück hatte ich mir im Pool des Hostels den Fuß aufgerissen und war deshalb ans Bett gefesselt, musste also nicht ständig das stinkende Zottelelend ertragen. So, nun aber genug. Von meinem Leid mit den Rucksacktouristen und den Hostels hatte ich ja schon in früheren Berichten geklagt. Komme ich zu etwas Schönerem: Australiens Natur.

Wie bereits erwähnt, möchte ich ein bisschen zusammenfassen, was Australien ausmacht, jedenfalls so wie ich es erlebt habe, und da ist Natur und Landschaft ein ganz guter Start. Im Gegensatz zu vielen anderen Dingen, die angeblich so großartig "dort unten" sind, trifft das auf die Natur nämlich wirklich zu. Es gibt so gut wie alles: von sattestem Grün bis trockenster Wüste, von flachsten Ebenen bis Hochgebirge, von kühlem Klima bis tropisch. Natürlich ist die Meeresküste mit ihrer enormen Brandung traumhaft, nicht von ungefähr sind die Aussies so surfbegeistert. Auch das Great Barrier Riff und die der Küste vorgelagerten Inseln mit den weißen Sandstränden muss man gesehen haben. Wenn man allerdings wie wir auf einer Strecke von Istanbul bis St. Petersburg nur die Küste entlang fährt, freut man sich natürlich auf etwas anderes. Vielleicht hat mir deshalb das Outback auch besser gefallen. Wer das wirkliche Australien erleben will, muss dort jedenfalls unbedingt hin, immerhin ist der Großteil des Kontinents Buschland oder Wüste. Auf unserer Fahrt von Cairns im tropischen Nordosten bis nach Alice Springs im Herzen des Landes sind wir teilweise für sechs sieben Stunden durch absolutes Nichts gefahren: kein Mensch, kein Auto, kein Haus, keine Stromleitung - nur flaches, spärlich bewachsenes Land bis zum Horizont, auf dem Rinder, Dromedare und natürlich Känguruhs grasen. Unglaublich, wie es Tiere dort überhaupt aushalten können. Wenn ich aus dem klimatisierten Bus ausstieg, wurde ich von der Hitze und der sengenden Sonne jedes Mal fast erschlagen. Und die Hitze ist noch gar nichts gegen die Fliegen. Auf der Suche nach Feuchtigkeit setzen sie sich einem mitten ins Gesicht, auf Arme und Beine. Nicht nur ein oder zwei, sondern zehn oder zwanzig - gleichzeitig! Ohne Fliegennetz vorm Gesicht, das man über dem Hut spannt, ist es quasi nicht auszuhalten.

Aber noch mal zu den Rindern: hiervon gibt es in Australien schätzungsweise einige dutzend Millionen, die im Outback scheinbar frei umherlaufen, da man weit und breit keine Zäune sieht. Tatsächlich sind die Zäune aber nur außer Sichtweite, da die Farmen teilweise die Größe kleiner Staaten wie Belgien oder der Schweiz haben. Der Mittelpunkt dieser Farmen, die sog. stations, sind oft der einzige Ort, an dem man überhaupt Menschen im Outback trifft. Auf der Karte verzeichnete "Städte" wie Winton, Middleton oder Boulia sind dagegen nach unserem Verständnis eher Häuseransammlungen mit selten mehr als ein paar Hundert Einwohnern, manchmal sogar nur einer Handvoll. Um dort zu leben, ist auch heute noch eine Menge Idealismus, Pioniergeist und Naturverbundenheit gefragt. Erstaunlicherweise scheinen dies viele Australier zu haben. Vor allem in Naturdingen sind die meisten, die wir getroffen haben, sehr viel bewanderter als wir. Unser Busfahrer Shane auf der Outback-Fahrt ist ein Musterbeispiel eines solchen Naturburschen. Man stelle sich vor: der Mann ist in der Nullarbor-Ebene in Westaustralien geboren und aufgewachsen, einer Wüste im Nirgend. Natürlich kann einen solchen Menschen, der die extremen Gefahren und Entbehrungen dort überlebt hat, nichts und niemand umhauen. Allein die Unzahl tödlich giftiger Tierarten, die es in Australien gibt! Dennoch, auch wenn Shane seinen Worten zufolge mit 14 Jahren das erste Mal überhaupt eine richtige Stadt gesehen hat, Adelaide nämlich, und damit das erste Mal solche für uns profanen Dinge wie Rolltreppen, Fahrstühle, Ampeln oder auch nur Häuser mit mehr als zwei Stockwerken - ein verschrobener Hinterwäldler wie Crocodile Dundee war er keineswegs. Die Weltkenntnis der meisten Aussies, die wir trafen, erschöpft sich erfreulicherweise nicht im Wissen über ihr eigenes Land, und das obwohl es die meisten in ihrem Leben selten bis nie verlassen. Dass die Australier nach unserer Erfahrung nicht sonderlich reisewütig sind, liegt vermutlich daran, dass sie sich im glücklichsten Land der Welt wähnen. Vielleicht hängt das aber auch mit dem hohen Preisniveau zusammen, so dass sie sich Reisen nicht ohne weiteres leisten können. Die sprichwörtliche Kumpelhaftigkeit und Geselligkeit der Aussies konnten wir tatsächlich erleben und empfanden diese auch als angenehm. Das ständige "how ´s it going?" als Begrüßung ging uns beiden mit der Zeit aber zunehmend auf die Nerven. Natürlich erwartet niemand darauf eine ernsthafte Antwort, warum fragt man dann allerdings überhaupt?!

Was die Geselligkeit betrifft, so sitzen die Aussies gerne zusammen und trinken Bier, wobei sitzen nicht unbedingt erforderlich ist, Bier trinken dagegen schon. Saufen tut man zwar bekanntlich weltweit, die Aussies aber machen daraus eine richtige Religion. Wer am Ende eines Treffens nicht mindestens stocksteif ist, riskiert die Freundschaft gekündigt zu bekommen. Insofern sind sie sogar noch extremer als ihre britischen Vorfahren. Obwohl, wenn ichs mir überlege... vielleicht stimmt das auch nicht. Die Briten sind schon echt die Härte, was Kampftrinken betrifft, und Briten trifft man "downunder" zuhauf! Jedenfalls haben die Aussies statistisch gesehen den zweithöchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Bier weltweit, und dass, obwohl Alkohol nur in lizensierten Läden und zu weit höheren Preisen als bei uns zu erstehen ist. Damit das Saufen erschwinglich bleibt, kauft man das Bier in Kneipen deshalb auch gleich literweise in sogenannten jugs (Kannen), wobei jeder reihum eine Runde spendiert. An den Kneipen ist übrigens ganz hervorragend, dass Rauchen ausnahmslos verboten ist. Selbiges gilt für Clubs, Restaurants usw. Sehr angenehm, als Nichtraucher sich am Morgen danach nicht vor den nächstens getragenen Sachen ekeln zu müssen. Überhaupt wird Nichtraucherschutz groß geschrieben, Rauchen ist an fast allen öffentlichen Orten verboten und Anti-Raucher-Werbung allgegenwärtig, manchmal ist es auch zuviel des Guten. Doch noch mal zurück zum Alkohol... das australische Bier ist gar nicht so schlecht, wie die Fosters-Plärre vermuten lässt. Damit verhält es sich so´n bisschen wie mit Becks bei uns: kennt jeder, trinkt aber kaum einer. Ein richtig gutes australisches Bier ist John Boags aus Tasmanien, daran kann man sich schon gewöhnen. Nicht gewöhnen konnte ich mich allerdings daran, dass Bier eiskalt serviert wird. Wenigstens werden die Bierdosen (ja, die gibts da noch) oder Fläschchen in eine Stoff- oder Polysterolhülle, sog. wet suits oder cooler, geschoben, damit einem das Tauwasser nicht ständig die Hand runterrinnt. Außer Bier gibts auch einen sehr australischen Schnaps - "Bundaberg" nämlich. Nie gehört? Kannte ich auch vorher nicht. Es handelt sich dabei um eine Rum-Marke, die in Australien allbekannt ist. Der Name kommt von der Stadt, in der das Zeug hergestellt wird, Bundaberg eben. Und da die Stadt auf unserer Strecke lag, nötigte ich Ulli zum Besuch der Destillerie. Der war eigentlich auch ganz gut - vor allem natürlich die Verkostung - wenn man mal von der lästigen Reklame absieht. Dass man dieses wirklich gute Tröpfchen bei uns nicht kennt, liegt wohl daran, dass es kaum exportiert wird und wenn, dann allenfalls nach Britannien. Rum ist übrigens aus ganz naheliegendem Grund sehr australisch: das Land ist nach Brasilien größter Zuckerrohrproduzent der Welt. Und Rum wird nun mal aus Zuckerrohr gemacht.

Wer nun nach all der Lobhudelei über Land und Leute meint, Australien sei das Paradies auf Erden, hier nun die Schattenseiten... Da wären zunächst mal, wie schon erwähnt, die giftigen oder anderweitig gefährlichen Tiere. Natürlich denkt da jeder sofort an Spinnen oder Schlangen. Einverstanden, die sind nicht zu verharmlosen und klar haben wir Spinnen und immerhin EINE lebende Schlange gesehen, aber auch nur annähernd in einer brenzligen Situation oder gar Gefahr waren wir deswegen nie. Es stimmt schon, was die Australier sagen: wenn man sich halbwegs vorsieht und den klaren Menschenverstand einsetzt, muss man schon sehr viel Pech haben, um von einer Schlange oder Spinne gebissen zu werden. Selbiges gilt für Krokodile. In tropischen Australien geht man einfach nicht in Gewässer, wo sich diese sehr lebendigen Fossilien aufhalten könnten, was letztlich heißt: man geht besser in kein natürliches Gewässer dort. An gefährlichen Tieren kommen im Süden noch die Haie hinzu, aber auch hier gilt: wenn man aufpasst (und nicht surft), passiert nichts. Weitaus unangehmer sind in den Tropen die verflixten Quallen. Wenn Quallensaison ist (bis zu 9 Monate im Jahr), ist Baden im Meer lebensgefährlich und man geht dann besser nicht ins Meer. Ist schon komisch, etwa die halbe Strecke entlang der Ostküste, eben am nördlichen, tropischen Meeresabschnitt waren wir nicht mehr im Meer baden gewesen. Hätte bei der Hitze und Schwüle schlimm sein können, gäbe es nicht überall Schwimmbecken. Da lässt es sich zum Glück auch ganz gut abkühlen und planschen. Kurzum, die ganzen Gefahren und Unannehmlichkeiten, die von der Tierwelt ausgehen, selbst die unsäglichen Fliegen, sind zu ertragen. Die gehören eben nach Australien und wenn man damit nicht leben kann, fährt man besser nicht hin.

Schlimmere Ärgernisse als Fliegen und Haie und Krokodile sind solche, die vom Menschen ausgehen. Größter Minuspunkt zuerst: die Leute sprechen kein Deutsch. Wirklich blöd, dass Australien nicht unsere Kolonie war. Wäre doch viel schöner, wenn man einfach drauflos plaudern könnte, wie es Englisch-Muttersprachler weltweit tun können - die Glücklichen! Wenn man so durchs Land reist, fragt man sich schon, wo die Millionen Deutschen abgeblieben sind, die nach Australien auswanderten. Nirgendwo hört oder liest man Deutsch. Wenn ich jedoch dann auf Ullis Bekannte in Melbourne schaue, die wir am Anfang besuchten, ist die Frage schnell beantwortet: sie sind zu Australiern geworden. Schon in der dritten Generation kann kein einziger mehr auch nur einen Satz in unserer schönen Sprache sagen. Aber so ist das nun mal, und so soll es ja auch sein. Der Schlüssel zur Integration ist die einwandfreie Beherrschung der Landessprache. In Australien käme niemand auf die Idee, eine fremdsprachige Version der Nationalhymne zu verfassen. Aber in Australien gibt es auch keine Christian Ströbeles. Mit solchen Leuten klarzukommen ist offenbar Deutschlands Schicksal.

Zweites, diesmal weniger scherzhaft gemeintes Ärgernis ist das hohe Preisniveau in Australien. Natürlich haben wir als Touristen keinen allumfassenden Einblick, wie teuer das Leben in Australien wirklich ist. Mag sein, dass es insgesamt nicht teurer ist als bei uns, zumal manche Dinge wie beispielsweise Benzin oder öffentliche Verkehrsmittel sogar deutlich billiger sind als bei uns. Aber das, womit man zumindest als Tourist tagtäglich konfrontiert wird, sind eben Eintritts- und Lebensmittelpreise und da verschlägt es einem als Deutschem schon oft die Sprache. Erst mal zu den Lebensmittelpreisen: Ob es nun Käse, Brot, Gemüse, Joghurt oder Wurst ist, der Geldbeutel muss bluten. Man könnte auch sagen, dass man da leider das britische Erbe sehr deutlich merkt. Wenn Essen und Trinken, abgesehen von Chips und Cola (entsprechend sehen viele Australier aus!), überhaupt erschwinglich sein sollen, dann muss man schon im Dutzend oder kiloweise kaufen! Auch die langen Wartezeiten an den Kassen und die Produktpalette überhaupt verleideten mir regelmäßig den Gang in den Supermarkt. Um nur mal ein paar Beispiel zu geben: Da werden Dips mit jedem denkbaren Geschmack und in jeder Farbe feilgeboten, aber nach einem anständigen Geflügelsalat, einem Päckchen Kräuterquark oder auch nur einer halbswegs ansprechenden Kochwurst sucht man vergeblich, von schmackhaftem Brot mal ganz abgesehen - das gibts sowieso nur in Deutschland. Dafür kann man dann ein kleines Fläschchen "echtes Fiji-Wasser" für umgerechnet 2 Euro kaufen. Ich merke richtig, wie bei der Erinnerung daran der Ärger in mir wieder hochkommt. Nur mal nebenbei sei angemerkt, dass die Australier über uns die Nase rümpften, wenn wir zum Frühstück nach Käse oder Wurst fragten. Das halten sie für eklig, essen selbst aber lappriges Weißbrot mit Erdnussbutter oder Unmengen dieser vermaledeiten Maisflocken. Uh, wie es mich schaudert beim Gedanken daran. Und ich dachte das gäbs nur in Amerika.

Noch mal zu den Preisen: ganz so schlimm wie im Supermarkt ist es bei den Eintrittspreisen nicht, die sind bei uns schließlich auch nicht niedrig. Trotzdem fiel mir anhand von Ullis Erzählungen (sie war schon mal da) auf, wie die Preise in den letzten Jahren explodiert sind! Allein im Vergleich zu den Preisen vom Vorjahr ist oft ein Anstieg von 10 Prozent zu verzeichnen. Manchmal hat man bei den Preisen den Verdacht, die Leute hätten die Marktwirtschaft mit Löffeln gefressen. Sicher trägt dazu die ungeheure und immer noch steigende Popularität Australiens seit Olympia 2000 in Sydney bei, die wiederum auf eine teilweise unverschämte Eigenwerbung und die von einschlägigen Reiseführern zurückzuführen ist, die auch mittelmäßige Sehenswürdigkeiten als großartig und einzigartig anpreisen. Als ein solcher Reiseführer sei der von uns genutzte Lonely Planet genannt, sicher trifft meine Kritik aber auch auf viele andere zu. Ich würde nicht so weit gehen zu sagen, dass der Lonely Planet sein Geld nicht wert sei. Auf unserer langen Reise hat er uns zugegeben große Dienste erwiesen, insbesondere was die Suche nach einer Bleibe anbelangt. Aber es nervt schon ungemein, wenn man immer und immer wieder lesen muss, wie "entspannt" und "relaxt" alles und jeder in Australien sei. Besonders lachhaft wird diese Beschreibung, wenn damit ein verschlafenes Nest von 500 Einwohnern gemeint ist. Wo bitte sollte da auch Stress oder Aufregung herkommen?! Aber darüber wird sich die dummbatzige 20-jährige Studentin aus New York, die vermutlich zum ersten Mal dem Großstadtrummel entflohen ist, beim Schreiben des Reiseartikels keine Gedanken gemacht haben. Und wer einmal in das Städtchen Townsville (ziemlich im Norden an der Ostküste) kommt, wird sich vielleicht wie wir fragen, wie der Lonely Planet zu der Einschätzung kommt, dass sich dort "eine Caffè Latte Atmosphäre mit einer gesunden Prise Tropen" (oder so ähnlich) vermische, zumal nicht mal ganz klar ist, was damit überhaupt gemeint sein soll. Wir haben die Stadt als langweiligen Riesen-Suburb ohne Innenstadt kennen gelernt, die genau den Zweck erfüllt, der scheinbar allen Städten nördlich von Brisbane zugewiesen wurde: Basis zu sein für Ausflüge ins Great Barrier Reef nämlich, oder einen der vielen Nationalparks. Flair oder Historie gibts dort nicht.

Das Problem des Mangels an Geschichte gilt natürlich für ganz Australien, selbst für die - trotzdem - schönen Städte Sydney und Melbourne. Aber gut, das Land ist eben gerade mal 200 Jahre alt, das kann man nicht zum Vorwurf machen. Andere Sachen vielleicht schon. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass die Australier, obwohl sie immer und überall (zurecht) auf die Einzigartigkeit und Verletzlichkeit ihrer Natur verweisen, doch ziemliche Umweltsünder sind. Das fängt an mit der Zersiedelung der Küsten - die Vorstädte der großen Städte scheinen sich endlos auszubreiten zu wollen. Das geht weiter mit der Vernachlässigung des Eisenbahnnetzes (sämtliche transkontinentalen Strecken sind nur einspurig) und endet noch lange nicht damit, dass erneuerbare Energiequellen wie Solar- und Windenergie fast völlig ignoriert werden: während in Brandenburg kein Acker mehr ohne Windpark auskommt, gibt es in ganz Australien lächerliche vier Windparks! Und dass in einem Land, das Wind und Platz für Windräder im Überfluss hat, einfach verrückt... Aber ich wills gut sein lassen. Ihr werdet verstanden haben, worauf ich hinaus will - kein Land ist perfekt, nicht mal Australien, auch wenn es einem als das gelobte Land erscheinen soll. Diese Rolle hat es wohl von den Vereinigten Staaten geerbt, die ja ziemlich an Renommee eingebüßt haben. In jedem Fall ist es dieses In-den-Himmel-Loben, was mich an Australien am meisten gestört hat. Wenn ich mal einen Vergleich zu Russland ziehen darf, wo ich ja einige Zeit verbracht habe - niemand würde behaupten, dort sei alles perfekt. Das Land hatte es insofern bei mir wesentlich leichter, positiv zu überraschen.

Gerade weil es Australien bei mir schwerer hatte, ist es um so mehr wert, wenn ich als Schlussfazit (ja ich habe endlich fertig) sage, dass es eine wirklich großartige Reise durch einen großartigen Kontinent war. Ich betone das deshalb, damit nach all dem Rumgemeckere - als das meine "Kritikpunkte" sicherlich ausgelegt werden - kein Irrtum darüber aufkommt. Australien ist als Reiseziel unbedingt empfehlenswert, Ulli und ich hatten jedenfalls eine sehr schöne Zeit! Was wir gesehen und erlebt haben, unglaublich. Den Höhepunkt der Reise habe ich sogar ganz vergessen: Ulli gewann in Cairns den weltberühmten "Blas mein Didgeridoo"-Wettbewerb!!! Natürlich war sie erst sehr beschämt und schüchtern, dann aber gewohnt ehrgeizig und die Konkurrenz chancenlos, vor allem auch wegen eines bestimmten treuen Fans, der die Abstimmung über den Sieger ordentlich zu ihren Gunsten beeinflusste. Ullis Lohn der Mühe: ein T-Shirt und mein ganzer Stolz. Wenn das mal nichts ist. Der Verlockung eines öffentlichen Heiratsantrags, wie ihn die buhlende Meute mir bei der Beglückwünschung aufnötigen wollte, konnte ich gerade so widerstehen. Statt tosendem Beifall erntete ich dafür natürlich Buh-Rufe - aber auch Ullis Dankbarkeit. Vor lauter Aufregung hätte sie sowieso die falsche Antwort gegeben ;-)

Das wars, Leute. Einzelheiten, wenn gewünscht, später persönlich und vielleicht auch mit ein paar Fotos, falls wir aus den rund 4000 Bildern ein repräsentatives Potpourri zusammengestellt kriegen. Ansonsten gibts natürlich alle Bilder... Noch eine Bitte zum Schluss: bitte keine schlüpfrigen Witze wegen des Didgeridoo-Blasens! Davon gabs schon genügend...

See you

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So so, also doch um den Heiratsantrag rungekommen :-)
Da muss dann aber wenigstens mal ein Foto mit dem gewonnenen T-Shirt her, natürlich mit stolz geschwellter Brust.
Vielen Dank für die Karte, da diese aber erst am Freitag bei uns eintraf, gab es für uns einfach noch nicht die Möglichkeit, uns aller Form dafür zu bedanken :-) Was wir hiermit tun!!!! Wir freuen uns wirklich in den Sammelpool des Kartengeschribses gekommen zu sein. Wenigstens kommen die Karten von dort unten an, was man von Kuba nicht behaupten kann, das ist aber eine andere Geschichte!!!!

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Vom falschen Pitti zum echten Fiji...
... ist dir der fazitöse Rundumschlag mal wieder extrem jut vonne Hand jejangen, wa!!!
Master-Chief-Inspector Cramer in seiner genauesten Berichtgenauigkeit... davon können sich die meisten Einsamer-Planet-Reisenden in diesem Blog(ck) aber nochmal richtitsch ne Scheibe von abschneiden! Yeah, jut jemacht!!!

Und, um hier mal eins klarzustellen... Ich habe auch Deine Berichte mit großem Interesse verfolgt, Ulli! Und nein, ich habe dich NIE "Kamel" genannt.... da hat dein Makker mal wieder watt falsch jelesen und mit Gedanken schon im nächsten Pool jesteckt! ;-)

Ich freu mich, dass es euch so gut erging, ihr wieder gesund gelandet seid und natürlich auf eure baldige Biereinladung zum glücklichen Wiedersehen, haha!!!!!!!!!!!!!!!!!
AO

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also ich will ja nicht prahlen...
...aber ich habs gelesen!!!! Und zwar alles!!!! Jetzt werd ich mich erschoepft und gluecklich aus dem internetcafe schleppen und ein (gar nicht mal so schlechtes) bolivianisches bier auf euer wohl trinken. willkommen zu hause benni

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Locker von der Hand??
Ganz so locker wars nicht. Ulli war nach fünf Tagen ziemlich genervt, wann ich endlich fertig sein würde. Aber am Ende meinte sie doch, dass es sich gelohnt hat und mein Bericht auch ihre Eindrücke widerspiegelt. Jetzt wisst ihr auch, warum ich mich noch nicht melden konnte ;-) Bier jibts später, Olsche!

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Ha!!!
>> Bier jibts später, Olsche! <<
Nun is it raus, die Welt is mein Zeuge!!!!!!
Und nich so Geizen... mit deinen Reizen! Hihi......

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Einfach nur Berliner oder unverbesserlicher Misanthrop?
Dieser lange, aber nie langweilige Reisebericht gibt mindestens so viele Einblicke in das wunderschoene Australien, wie es Einblicke in die Abgruende seiner 'Entdecker' gibt ;-)
Keinem gelingt es besser, Lobeshymnen so vermeckert darzubieten.
Es war ein Genuss! Freu mich euch beide bald an der Ostsee zu sehen!
Gruss
Klatte

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Am Anfang hab ick ja echt überlegt, ob ich mir diesen Riesenbericht durchlese (bin wenigstens ehrlich), aber ich muss sagen, hat sich gelohnt.
Eure Kritik am "lonely planet" sollte Euch ermuntern, mal 'nen eigenen Reiseführer zu schreiben: "Kramers planet" vielleicht. Die Schreibe dafür habt Ihr allemal!

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...
...Ick habe mich uebrigens auch SUUUUUUUUUUUPER OBERMEGAMAESSIG gefreut ueber die Karte, hat auch nen besonderen Ehrenplatz neben NZ und Pakistan bekommen an meiner Wand (wer mein Domzil kennt, weiss da is nicht so viel Wand, also dit will wat heissen... ).
Aber ja, geb zu hab es sofar verschwitzt, diese Freude hier gebuehrend auszudruecken, dachte mach ich in Person zu Ostern, mach ich auf jeden, aber war echt zu busy hier lately, sorrieeeeh.

Bis Donnerstag!

Und ja hab auch alles gelesen, bewunder auch immer wieder wie Jan dit so hinkriegt mit dem bewundern und jeglichen Mythos zerstoeren mit einem Zug.
Ja bestaetige auch die London details, ich bin mir sicher in den 2 Wochen ist diese besondere Analysierfaehigkeit erst so richtig ausgereift.


g

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